Lernapp ja, - aber ist sie auch geeignet für mein Kind?

Lernapp ja, - aber ist sie auch geeignet für mein Kind?

Die Nutzung digitaler Medien ist in unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Aber wie wählt man eine gute Lernapp aus? Welche Aspekte gibt es vor dem Erwerb zu beachten und welche Fragen sollte man sich stellen, um zu beurteilen, ob das Lernspiel angemessen für das eigene Kind ist? Wir haben für euch die wichtigsten Entscheidungskriterien zusammengestellt.

Was sind eigentlich Lernspiele?

Digitale Medien sind aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Auch Grundschulen üben den Umgang mit digitalen Medien mehr und mehr ein. Dass digitale Medien also genutzt werden, steht außer Frage. Wie lange sie genutzt werden sollten, haben wir bereit in unserem Blogbeitrag über die optimale Medienzeit berichtet. Dennoch ist es mindestens genauso wichtig zu überprüfen, mit welchen Inhalten die Kinder sich während ihrer Mediennutzung beschäftigen. Wir schlagen hierfür digitale Lernspiele vor. Als Unterkategorie der sogenannten Serious Games (aus dem englischen “ernsthafte Spiele”), also digitalen Spielen, die nicht primär der Unterhaltung dienen, fokussieren sich Lernspiele auf das Erlernen spezifischer Inhalte.

Warum es so wichtig ist, sich ganz bewusst mit der Auswahl guter Lernapps zu beschäftigen, zeigen verschiedene Studien. So hat das Medienportal jugendschutz.net im Jahr 2018 verschiedene Spieleapps für Kinder getestet und kam zu dem Ergebnis, dass 99 von 100 Apps hinsichtlich ihres Umgangs mit dem Kinder-, Daten- und Verbraucherschutz kritisch einzuschätzen sind, über 60 % der Apps zeigten sogar gravierende Mängel.

Um einen sicheren und erfolgreichen Umgang mit den Medien zu gewährleisten, zeigen wir, worauf ihr als Eltern bei dem Erwerb einer Lernapp achten solltet und was ihr persönlich tun könnt, um die Medienzeit eurer Kinder pädagogisch wertvoll zu gestalten. 

Ist die Lernapp altersgerecht?

Wie wir wissen, ist Alter nicht gleich Alter. Gerade in der Entwicklung von Vorschulkindern prägen sich verschiedene Kompetenzen des eigenen Kindes manchmal zu einem ganz anderen Zeitpunkt aus als beim Nachbarskind. Deswegen ist es in erster Linie ganz wichtig zu sehen, wie weit das eigene Kind ist, wo seine Interessen liegen und inwieweit es neue Inhalte aufnehmen kann. Zusätzlich kann man sich an verschiedenen Richtlinien orientieren. Zum einen geben die Hersteller oft eine Altersempfehlung. Gut wäre hier zu wissen, wie der Hersteller diese Einordnung begründet. Ein großer Pluspunkt ist zum Beispiel, wenn er mit verschiedenen PädagogInnen zusammen arbeitet und sich so noch einmal einen externen Rat für die Altersempfehlung und die entsprechenden Inhalte holt. 

Des Weiteren gibt es eigene Alterseinstufungssysteme von den einzelnen App-Stores. Hier ist aber z.B. nicht gesichert, dass diese Einstufungen dem deutschen Jugendschutz entsprechen. Manche App Stores deklarieren zwar eine offizielle Altersbewertung im Zusammenschluss mit internationalen Organisationen und Verbänden wie z.B. der IARC (Internationale Vereinigung zur Altersbewertung), aber auch diese können nicht garantieren, ob die Apps kind- oder entwicklungsgerecht sind. Sie informieren lediglich darüber, dass das Spiel aus der Sicht des jeweiligen Jugendschutzes prinzipiell in Ordnung ist. 

Ähnlich arbeiten auch App-Bewertungsportale, auf denen man die Auswahl gezielt nach der Art der App, dem Themenbereich und dem Alter filtern kann. Hier bietet sich z.B. von dem Bewertungsportal jugendschutz.net die Unterseite www.klick-tipps.net/eltern/app-tipps/ an, die durch eine Kooperation mit der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest und dem Bundesfamilienministerium entstanden ist. Auf der Seite kann man viele Lernapps für Kinder bis zehn Jahre inkl. einer Bewertung finden. Auch das Deutsche Jugendinstitut in München hat in seiner Datenbank “Apps für Kinder” über 500 Lernapps und Lernspiele nach ihrem pädagogischen Nutzen bewertet. 

Ein guter Test, ob eine Lernapp dem Entwicklungsstand Ihres Kindes entspricht, ist aber natürlich auch das eigene Ausprobieren. Bevor Sie sich also komplett auf die Empfehlungen Anderer verlassen, lohnt es sich, die App selbst einmal durchzuspielen und zu prüfen/sehen, ob die Aufgaben dem Wissensstand Ihres Kindes entsprechen. Wichtig ist, dass Ihr Kind weder unter- noch überfordert ist, sodass es mit dem Spiel an das eigene Vorwissen anknüpfen und trotzdem noch neue Dinge dazulernen kann.

Ist der Inhalt der Lernapp angemessen?

Neben dem passenden Alter, bestimmen auch Faktoren wie Schwierigkeit und Zeit die Angemessenheit der App für euer Kind. Ersteres kann gegeben sein, wenn der Hersteller beispielsweise verschiedene Schwierigkeiten als Einstellung vorsieht oder eine Komplexitätssteigerung mit den aufsteigenden Leveln erkennbar ist. Darüber hinaus ist es auf alle Fälle wichtig, dass Sie die Zeit bei der Spielnutzung einstellen können. Für ein anderes Alter ist auch eine andere Medienzeit zu empfehlen, wie wir hier bereits berichteten. Ein gutes Indiz ist es also, wenn man als NutzerIn die Zeit vorher einstellen kann. Ein weiteres wichtiges Element zur Beurteilung der Angemessenheit ist aber auf alle Fälle das didaktische Konzept hinter dem Lernspiel. Bestenfalls hat der Hersteller dieses in seine App integriert, sodass Sie es passend zu den einzelnen Leveln und Spielen lesen und überprüfen können. Sollte dies nicht der Fall ist, lohnt es sich auf jeden Fall, sich folgende Fragen zu stellen:

Welches Lernziel verfolgt die App mit ihren Spielen? Sollen die Kinder bestimmte Techniken erwerben, sich mit einem bestimmten Thema tiefer auseinandersetzen oder z.B. mit der Bedienung des Mediums enger vertraut gemacht werden? Des Weiteren ist es sinnvoll, sich die Frage zu stellen, welche Funktion die Spiele genau haben? Sollen sie Informationen vermitteln, der Unterhaltung dienen oder gar ein Werkzeug für die Gestaltung eines eigenen Produktes sein? Und wenn die Spiele mehrere Funktionen verfolgen, wie sind diese Ihrer Meinung nach priorisiert?

Bestenfalls könnt ihr natürlich all diese Fragen schon vor dem Erwerb der App für euch beantworten, z.B. durch eine Demoversion, eine Empfehlung oder durch die Hinweise des Herstellers. Wenn ihr sicher gehen wollt, lohnt sich auf alle Fälle aber das eigene Ausprobieren der App und die Feststellung, ob die App für euer Kind speziell geeignet ist oder nicht. Da jedes Kind einen individuellen Entwicklungsstand aufweist, liegt es in letzter Hand bei euch, festzustellen, ob die jeweilige Spieleapp für euer Kind angemessen ist oder nicht, ob die Lerninhalte an das Vorwissen des Kindes anknüpfen und ob mit einer Unter- oder Überforderung zu rechnen ist.

Hinterlasse einen Kommentar