Das Einmaleins der frühkindlichen Mathekompetenz

Das Einmaleins der frühkindlichen Mathekompetenz

Wir alle kennen diese Situation. Wir holen die Bonbons heraus, legen ein paar auf den Tisch und schon sind sie ratzefatz von den kleinen Kinderhändchen weggeschnappt. Was dann folgt, ist meist ein lautstarker Protest. Denn auch schon die ganz Kleinen können oft schon differenzieren, ob der große Bruder eventuell mehr Bonbons abbekommen hat als sie selbst - auch wenn sie noch gar nicht konkret zählen können. Wie sich das mathematische Verständnis im Vorschulalter entwickelt, zeigen wir in diesem Artikel. 

Wie unsere Kinder das Sprechen und das Schreiben lernen, haben wir bereits untersucht. Heute wollen wir uns anschauen, wie es eigentlich mit dem Erlernen der mathematischen Kompetenzen bei Vorschulkindern steht. Was wir unter Mathematik überhaupt verstehen, welche Entwicklung es diesbezüglich bei Vorschulkindern gibt und warum es sich lohnt, diese schon früh zu fördern, ist Thema dieses Artikels.

Was versteht man überhaupt unter Mathematik?

Wenn wir von Mathematik sprechen, meinen wir ganz klar nicht nur das Zählen oder Rechnen. Die Professorin für Didaktik der Mathematik und Informatik der Universität Bamberg, Prof. Dr. Anna Susanne Steinweg, formuliert was Mathematik bedeutet: “Mathematisch tätig zu sein heißt, Probleme zu lösen und kreativ zu sein, zu kommunizieren und zu argumentieren, zu begründen und zu prüfen, zu ordnen und Muster zu nutzen.”

So kommen Kinder bereits mit  den grundlegenden Fähigkeiten auf die Welt, Mengen und Formen zu erfassen.  Kinder, die beispielsweise noch nicht ganz bis 10 zählen können, haben trotzdem schon ganz früh ein Gefühl dafür, dass 100 im Vergleich zu 10 eine ganz große Zahl ist. Genauso können Kinder, die ein Dreieck als Hausdach zeichnen können, diese Form zwar noch nicht als Dreieck benennen, aber bereits von einem Viereck unterscheiden. Auch ist am Anfang die Benennung von Stückzahlen noch nicht möglich. Stattdessen können aber verschiedene Mengen bezüglich Volumen und Umfang unterschieden werden. Zahlworte werden erst danach gelernt und dann mit den verschiedenen Mengen in Verbindung gebracht. Manche Kinder können bereits mit drei Jahren diese Verbindung ziehen, andere erst mit fünf oder sechs Jahren. In der Entwicklung der mathematischen Kompetenz lassen sich folgende verschiedene Fähigkeiten voneinander unterscheiden:

Angeborene Fähigkeiten

  • Unterscheidung von Mengen (größer/kleiner, mehr/weniger, länger/kürzer als)
  • Gruppenzuordnungen (was gehört “irgendwie” zusammen und was nicht)
  • Gleichzeitige Erfassung von kleinen Mengen bis zu vier Elementen 

Vorläuferfähigkeiten

  • Erfassung von Teil-Ganze-Beziehungen 
  • Aufsagen von Zahlen und Abzählen von Dingen 
  • Erkennen gleicher Dinge aus einer Gruppe von unterschiedlichen Dingen
  • Bildung einer logischen Reihenfolge von verschiedenen Dinge (z.B von klein nach groß)

Übergreifende Fähigkeiten

  • Hand-Augen-Koordination
  • Räumliche Orientierung
  • Gedächtnis und Aufmerksamkeit
  • Wahrnehmungskonstanz
  • Figur-Grund-Unterscheidung

Warum sollte man die Mathematikkompetenzen früh fördern?

Die Professorin für Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Prof. Dr. Kristin Krajewski, berichtet von der positiven Auswirkung der frühkindlichen Mathematikförderung auf die nachfolgenden Leistungen in der Grundschule: “In mehreren Langzeitstudien konnte gezeigt werden, dass die Ausbildung dieser frühen  Mengen-Zahlen-Kompetenzen im Vorschulalter für die mathematischen Schulleistungen in der Grundschulzeit entscheidend ist. Kinder, die vor Schuleintritt verstanden haben, dass hinter aufsteigenden Zahlen größer werdende Mengen und hinter absteigenden Zahlen kleiner werdende Mengen stehen, haben bessere Chancen, die Grundschulmathematik relativ problemlos zu meistern. Kinder jedoch, denen am Schulbeginn dieses Verständnis für die Verknüpfung von Zahlen mit Mengen fehlt, tragen ein erhöhtes Risiko, in der Schule Schwierigkeiten mit dem Rechnen zu bekommen.” Auf die Nachfrage, welche Rolle die Intelligenz hierbei spielen würde, berichtet sie, dass die Intelligenz nur eine untergeordnete Rolle spielen würde, “d.h. in den Langzeitstudien waren selbst Kinder mit geringeren intellektuellen Fähigkeiten im Mathematikunterricht der Grundschule erfolgreich, wenn sie bereits im Vorschulalter über ein Verständnis für die Verknüpfung von Zahlen mit Mengen verfügten.”

Wie kann man die mathematischen Kompetenzen fördern?

Ein Kind ist neugierig und möchte in seiner Entwicklung täglich neue Dinge kennen lernen und entdecken. Auch der Umgang mit Zahlen weckt prinzipiell das Interesse unserer Kinder. Wenn wir unseren Nachwuchs altersgerecht dabei fördern, wird sich schnell das Zahlenverständnis manifestieren. Dafür braucht es weder Druck, noch stundenlanges Lernen. In der Literatur wird immer wieder betont, dass das Erlernen der mathematischen Kompetenzen ein individueller Prozess ist. Deswegen gibt es hier keinen linearen Entwicklungsverlauf und es sollte geschaut werden, was dem Kind ganz individuell Spaß macht. Außerdem empfiehlt es sich, ganz konkrete spielerische und sinnliche Erfahrungen mit Mengen, Formen und Größen in den Alltag zu integrieren. Zum Beispiel kann man sich beim Einkaufen im Supermarkt die unterschiedlichen Größen der Äpfel anschauen und vergleichen. Beim Tisch decken kann man zu den vier Tellern, vier Gabeln und vier Messer abzählen und decken lassen. Auch Treppenstufen, Eisenbahnwaggons und Tiere im Zoo einen sich gut für Zählübungen. Wichtig ist außerdem, Geduld zu haben. Manche Kinder brauchen eben etwas länger als andere Kinder und das ist auch völlig in Ordnung so.

Weitere konkrete Übungen und Spiele, die ihr mit eurem Kind machen könnt, um die mathematischen Vorschulkompetenzen zu trainieren, haben wir für euch in in unserem nächsten Blogartikel “So wird Mathematik zum Kinderspiel - Tolle Spiele für zwischendurch” für euch zusammengefasst. Schaut doch mal rein und berichtet uns gerne, wie diese Übungen bei euren Kindern ankommen!

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